Heute haben wir mit Paramahamsa Sri Swami Vishwananda gesprochen, einem verehrten spirituellen Lehrer und dem Gründer von Bhakti Marga. Er hat sein Leben der Aufgabe gewidmet, spirituelle Suchende auf dem Weg der göttlichen Liebe zu führen und ihnen zu helfen, sich durch Hingabe wieder mit ihrem wahren inneren Selbst zu verbinden.
In diesem Gespräch teilt er tiefgreifende Einblicke in Atma Kriya Yoga, eine heilige Praxis, die von Mahavatar Babaji gegeben wurde, und erklärt, wie sie das Bewusstsein der Seele erweckt. Seine Worte spiegeln Bhakti Margas starken Fokus auf Liebe, inneres Wachstum und eine tief empfundene Beziehung zum Göttlichen als das Wesen des wahren Yoga wider.
Interviewer: Guruji, danke, dass Sie heute bei uns sind. Wir möchten gerne tiefer auf die Verbindung zwischen Bhakti Marga und Yoga eingehen. Können Sie uns zuerst erklären, was Bhakti Marga bedeutet?
Paramahamsa Vishwananda: Natürlich. Bhakti Marga bedeutet wörtlich „der Weg der Hingabe“. Es ist ein spiritueller Weg, der sich auf die Liebe zum Göttlichen konzentriert. Anders als andere Yoga-Wege, die nur auf Wissen oder Disziplin ausgerichtet sind, geht es bei Bhakti Marga darum, eine persönliche, liebevolle Beziehung zu Gott aufzubauen. Es geht nicht darum, der Welt zu entfliehen, sondern darum, Gott in allem, was wir tun, mit ganzem Herzen zu begegnen.

Interviewer: Viele Menschen denken beim Wort „Yoga“ sofort an Körperhaltungen. Wie sieht Bhakti Marga Yoga?
Paramahamsa Vishwananda: Das ist eine sehr gute Frage. In der heutigen Zeit wird Yoga oft auf Dehnübungen, Körperhaltungen und Fitness reduziert. Aber ursprünglich bedeutet Yoga „Einheit mit dem Göttlichen“. Bhakti Marga lehrt Atma Kriya Yoga, eine spirituelle Praxis, die dir hilft, dich nicht nur mit deinem Atem, sondern mit deiner Seele deinem Atma zu verbinden. Es ist Yoga, das dich zurück zu deinem wahren Selbst führt, jenseits von Körper und Geist.
Interviewer: Ist Atma Kriya Yoga also die zentrale yogische Praxis bei Bhakti Marga?
Paramahamsa Vishwananda: Ja, genau. Atma Kriya Yoga wurde von Mahavatar Babaji gegeben und ist das Herzstück unserer spirituellen Praxis. Während viele Yoga-Wege auf Disziplin oder Wissen abzielen, geht Atma Kriya Yoga tiefer. Es weckt die Erinnerung der Seele an ihre ewige Beziehung zu Gott.
Interviewer: Was unterscheidet Atma Kriya Yoga von anderen Formen des Kriya Yoga?
Paramahamsa Vishwananda: Der größte Unterschied ist, dass Atma Kriya Yoga von Bhakti erfüllt ist. Viele Formen des Kriya Yoga konzentrieren sich auf das Aufsteigen durch Energiezentren oder das Beherrschen des Geistes. Atma Kriya Yoga macht all das aber durch Liebe. Jede Technik ist auf das Herz ausgerichtet. Ohne Liebe wird jede spirituelle Technik mechanisch. Unser Weg ist es, tief zu fühlen und Gott mit jedem Atemzug mehr zu lieben.
Interviewer: Also ist Bhakti nicht getrennt vom Yoga, sondern sein Wesen?
Paramahamsa Vishwananda: Absolut. Bhakti ist die Seele allen wahren Yogas. Wenn du die Bhagavad Gita studierst, sagt Krishna ganz klar: „Von allen Yogis ist derjenige, der Mich liebt, der Höchste.“ Das ist Bhakti. Ohne Hingabe wird jede spirituelle Praxis trocken. Aber mit Liebe wird selbst die einfachste Handlung göttlich. Ob du singst, meditierst oder dienst, wenn es mit Liebe geschieht, wird es zu Yoga.
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Interviewer: Kann jeder Bhakti Marga folgen, oder ist es nur für Hindus oder eine bestimmte Gruppe gedacht?
Paramahamsa Vishwananda: Nein, Bhakti Marga ist für alle da. Liebe kennt keine Religion, keine Nationalität. Das Wesen von Bhakti ist universell. Wir heißen Menschen aus allen Hintergründen willkommen. Ob jemand Gott Krishna, Jesus oder Allah nennt, das spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass das Herz offen ist. Unsere Praktiken sind im Sanatana Dharma verwurzelt, aber ihr Ziel ist es, göttliche Liebe zu erwecken und die ist in allen Traditionen gleich.

Interviewer: Viele spirituelle Suchende im Westen sind sehr verstandesorientiert. Wie kann Bhakti Marga sie erreichen?
Paramahamsa Vishwananda: Das ist ein guter Punkt. Im Westen wollen viele Menschen alles mit dem Verstand verstehen. Aber Bhakti Marga fördert auch tiefes Nachdenken. Wir lehnen den Intellekt nicht ab, wir gehen über ihn hinaus. Du kannst die Gita studieren, die Philosophie verstehen, aber irgendwann muss die Liebe übernehmen. Bhakti ist nicht blind, sie ist intelligent, bewusst und transformierend. Sie verändert das Herz, nicht nur den Verstand.
Interviewer: In Bhakti Marga sprechen Sie oft über Hingabe. Was bedeutet Hingabe in diesem Zusammenhang wirklich?
Paramahamsa Vishwananda: Hingabe bedeutet nicht, sein Leben aufzugeben oder passiv zu werden. Es bedeutet, Gott vollkommen zu vertrauen. Es bedeutet, den Stolz und das Kontrollbedürfnis loszulassen und zu sagen: „Ich gehöre Dir.“ Aber wahre Hingabe ist ohne Liebe nicht möglich. Du kannst dich nicht wirklich jemandem hingeben, den du nicht liebst. Deshalb: Kultiviere zuerst die Liebe, und durch diese Liebe kommt die Hingabe ganz natürlich.
Interviewer: Sie sprechen auch oft von der wahren Identität der Seele. Wie wird diese durch Bhakti Marga erkannt?
Paramahamsa Vishwananda: Atma Kriya Yoga hilft dir zu erkennen, dass du nicht der Körper, nicht der Verstand bist, du bist das Atma, die ewige Seele. Wenn du dich mit deinem wahren Selbst verbindest, erinnerst du dich ganz natürlich an deine Beziehung zu Gott. Diese Beziehung ist Bhakti. Sie ist nichts, was du lernst, sie ist etwas, an das du dich erinnerst. Je mehr du singst, meditierst und liebst, desto mehr erwacht diese Erinnerung.

Interviewer: Wie hilft Bhakti Marga im Alltag, besonders in der modernen, schnelllebigen Welt?
Paramahamsa Vishwananda: Das Leben heute ist sehr stressig und hektisch, ja. Und genau deshalb ist Bhakti heute so wichtig. Es erinnert dich daran, innezuhalten, zu atmen, nachzudenken. Schon fünf Minuten aufrichtiges Chanten können Frieden bringen. Du musst deinem Leben nicht entfliehen, du musst nur Liebe hineinbringen. Atma Kriya Yoga kann auch in kurzen Momenten über den Tag verteilt praktiziert werden. Bhakti Marga lehrt dich, dein Leben selbst zu einem Gebet zu machen.
Interviewer: Manche sagen, dass das Folgen mehrerer spiritueller Wege gleichzeitig zu Verwirrung führt. Wie sehen Sie das?
Paramahamsa Vishwananda: Ich sage immer, folge dem Weg, der dich deinem Herzen am nächsten bringt. Jede Tradition hat ihren Wert. Aber zu viele Dinge gleichzeitig zu vermischen, ohne in die Tiefe zu gehen, führt zu Verwirrung. Folge einem Weg mit Aufrichtigkeit. Wenn Bhakti Marga dein Herz berührt, dann gehe tiefer hinein. Es geht nicht darum, welcher Weg besser ist, sondern welcher dich wirklich verwandelt.
Interviewer: Zum Schluss, was würden Sie jemandem sagen, der gerade erst seine spirituelle Reise beginnt?
Paramahamsa Vishwananda: Fang mit Ehrlichkeit an. Sei aufrichtig zu dir selbst. Suche nicht nach Wundern, suche nach Tiefe. Fang damit an, den göttlichen Namen zu chanten. Lies die Gita, nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen. Sorge dich nicht um Fortschritt oder Erleuchtung, liebe einfach. Bhakti Marga ist hier, um dich daran zu erinnern, dass Gott nicht weit entfernt ist. Er lebt in deinem Herzen, und durch die Liebe wirst du Ihn dort finden.
Interviewer: Guruji, danke. Das war ein wunderschönes und inspirierendes Gespräch.
Paramahamsa Vishwananda: Danke. Möge jeder diesen Weg in Liebe gehen und die Freude seiner eigenen Seele entdecken.
